Englischreiten

Die in Europa wohl verbreitetste Reitweise ist das so genannte "Englischreiten", dessen Bezeichnung wohl irgendwann einmal in Abgrenzung zum Westernreiten entstand. Denn die Englische Reitweise wurde keineswegs speziell in England erfunden, vielmehr wurde sie hauptsächlich durch die Reiter in Deutschland und einiger anderer Länder geprägt. Die Reiter des Englischreitens werden in Deutschland durch die Deutsche Reite_rliche Vereinigung (FN) vertreten und finden überall im Land Reitschulen, anerkannte Ausbilder und auch Turnierprüfungen. Auch in der Öffentlichkeit ist diese Reitweise am bekanntesten: lm Fernsehen sieht man fast ausschließlich Dressuroder Springprüfungen in dieser Reitweise, die beispielsweise auch bei den Olympischen Spielen vertreten ist.

Die hier beschriebenen Reiterhilfen und die Ausrüstung von Pferd und Reiter beziehen sich alle streng genommen auf das Englischreiten - wobei sie in fast allen anderen hier vorgestellten Reitweisen genauso oder zumindest so ähnlich ausgeführt werden. Lediglich zum Westernreiten gibt es größere Unterschiede. Das Englische Reiten leitet sich ursprünglich von den Reitern der Kavalleríe beziehungsweise vom jagdreiten ab. Die im Vergleich zu den Westernsätteln eher kleinen Vielseitigkeitssättel haben ihren Ursprung im jagdreiten,wo beispielsweise beim Springen über Geländehindernisse die dicken Pauschen am Knie Halt geben mussten.

Man unterscheidet drei Arten von Sätteln: Dressursättel,Vielseitigkeitssättel und Springsättel. Letztere haben ein Sattelblatt, das weit nach vorne reicht und über besonders dicke Pauschen im Bereich des Knies verfügt, sodass man beim Springen viel Halt hat. Dressursättel haben eine tiefere Sitzfläche für den Reiter und ein langes, gerades Sattelblatt für das Reiterbein. So sitzt man möglichst dicht am Pferd.Vielseitigkeitssättel sind dagegen eine praktische Mischung aus beidem und werden entsprechend häufig benutzt. Bei ihnen sind die Pauschen nur ein wenig nach vorne gezogen und man kann mit ihnen natürlich sowohl Dressur- als auch Springreiten und ins Gelände gehen. Die meisten Reiter und Pferde besitzen Vielseitigkeitssättel, richtige Dressur- oder Springsattel legen sich meist nur echte Turnierreiter zu.

Was ist das eigentlich, "Dressurreiten"? Dressurreiten findet nicht nur auf einem Turnier statt, bei dem bestimmte Übungen präsentiert werden, sondern es dient dazu, das Pferd zu gymnastizieren, es locker und geschmeidig zu machen, so dass es willig und zufrieden mitarbeitet. Zum Dressurreiten gehören alle Übungen, mit denen man die Ríttigkeit und damit die Gesundheit des Pferdes verbessert. Deshalb ist das Dressurreiten auch die Grundlage des Springreitens und des Vielseitigkeitsreitens und genau genommen auch des Freizeit- und Dístanzreitens. Die gesamte Grundausbildung des Pferdes, das Verbessern der Zusammenarbeit von Pferd und Reiter, das alles gehört zum Dressurreiten.

Die Grundlage des Dressur- und des Springreitens ist die Skala der Ausbildung. ln ihr werden die Schritte der Pferdeausbildung festgelegt:Takt, Losgelassenheit,Anlehnung, Schwung, Geraderichten,Versammlung. Das Pferd lernt also unter dem Reiter im Takt zu laufen, dabei losgelassen zu sein, in Anlehnung (mit weicherVerbindung von Reiterhand zum Pferdemaul) zu laufen, dabei Schwung zu entwickeln und sich gerade richten zu lassen. So erreicht es die Versammlung. Ein Pferd, das so weit ausgebildet ist, dass es - orientiert an der Skala der Ausbildung - korrekt läuft, ist durchlässig. Durchlässigkeit meint, dass das Pferd die Reiterhilfen ohne Zögern annimmt. Die Durchlässigkeit ist das Ziel aller Pferdeausbildung und dementsprechend ebenso wichtig für Dressurund Springpferde wie auch für Freizeitpferde.

Um dieses Ziel zu erreichen, umfasst das Dressurreiten die verschiedensten Übungen, mit denen das Pferd lernt, sich unter dem Reiter locker und gleichmäßig zu bewegen und die Reiterhilfen richtig auszuführen. Dabei gibt es Übungen, die besonders gut geeignet sind, um das Pferd zu "lösen" und seine Muskeln aufzuwärmen, wie zum Beispiel das Leichttraben oder das Reiten auf großen gebogenen Linien. Andere Übungen sind sehr gut, um die Akzeptanz der Reiterhilfen oder den Schwung zu verbessern, so beispielsweise das Reiten von Übergängen und ganzen Paraden.

Das Dressurreiten aufTurnieren umfasst genau diese Übungen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Dabei gibt es für jeden Reiter von der Klasse E für Einsteiger über KlasseA für Anfänger, Klasse L für Leicht, Klasse M für Mittel bis zur Klasse S,der schweren Klasse, die verschiedensten Prüfungen. Die Grundlage des Springreitens bildet ebenfalls die Skala der Ausbildung, da sich ein gutes Springpferd durch Rittigkeit, also durch williges Annehmen der Reiterhilfen, und damit durch Durchlässigkeit auszeichnet. Beim Springreiten springen Reiter und Pferd gemeinsam über verschieden hohe Hindernisse. Das fängt an mit kleineren Sprüngen und kleinen Springreihen, die der Gymnastik dienen, und geht bis zu hohen Sprüngen in der Klasse S (schwer) über l,55 Meter Höhe und 2 Meter Tiefe. Die Klassen mit den verschiedenen Schwierigkeitsgraden auf den Turnieren entsprechen denen der Dressurreiter. Das Springen verbessert ebenfalls die Zusammenarbeit von Pferd und Reiter, und gerade kleinere Gymnastiksprünge helfen, eine eventuell verspannte Rückenmuskulatur des Pferdes zu lockern. So ist das Springreiten beispielsweise auch eine willkommene Abwechslung für Dressur- oder Distanzpferde.

Die unterschiedlichen Abmessungen zwischen den einzelnen Sprüngen eines ganzen Springparcours erfordern, dass man sein Pferd ganz exakt reitet. Man muss wissen, ob es nun lange oder kurze Galoppsprünge bis zum nächsten Hindernis ausführen muss, und diese auch genau kontrollieren können. Dazu gehört noch eine gesunde Portion Mut - ein Hasenfuß wird selten ein erfolgreicher Springreiter!

Die Vielseitigkeit - oder auch Military genannt - ist eine Disziplin, bei der man eine Dressuraufgabe, einen Springparcours und eine Geländestrecke absolvieren muss. Pferd und Reiter sind in dieser anspruchsvollen Disziplin wahre Multitalente - mit enormem Springvermögen und besonders viel Mut! Denn vor allem die Geländestrecken sind sehr schwer zu reiten: Hier müssen die Pferde nachgebaute Naturhindernisse überwinden,Abhänge herabspringen, feste Hindernisse bewältigen und ins Wasser springen müssen.Vor ihren Reitern und Pferden sollte man Respekt haben - sie leisten wirklich eine außerordentliche Schwerstarbeit. jedoch ist diese Disziplin durch Unfälle in Verruf geraten.