Warmblüter - Kaltblüter - wusstest Du schon...?

Pferde werden in verschiedene Gruppen eingeteilt: Warmblutpferde, Rennpferde oder Vollblüter, Westernpferde, Barockpferde, Kaltblüter und die Ponys. Damit unterscheidet man große Sportpferde von schnellen Rennpferden, kleine Ponys von kräftigen Arbeitspferdien und kompakte Cowboypferde von rassigen, stolzen Barockrassen.

Warmblutpferde sind die Pferde, die man im Fernsehen auf den großen Dressur- und Springturnieren sieht. ln den meisten deutschen Reitschulen wird ebenfalls auf Warmblutpferden geritten. Sie sind zwischen l60 und l75 Zentimeter groß.Warmblüter gibt es vor allem in folgenden unterschiedlichen Grundfarben:
Schimmel, Braune, Rappen und Füchse sind am häufigsten. lsabellen, Falben und Schecken sind dagegen seltener. ln ganz Deutschland hat man aus den ehemals schweren Arbeitspferden der Bauern Pferde gezüchtet, die besonders gut für Dressur- und Springprüfungen geeignet sind. Weltweit haben sich diese Rassen als Sportpferde einen Namen gemacht. ln Deutschland gibt es I4 verschiedene Warmblutrassen. Die bekanntesten Warmblutpferde sind sicher die Hannoveraner, Westfalen und Holsteiner. Gerade diese drei sind auch sehr häufig.Allein bei den Hannoveranern zählt man in Deutschland etwa l9000 registrierte Stuten.

Aber auch in den anderen europäischen Ländern gibt es Warmblutpferde. In Belgien züchtet man das Belgische Warmblut, das oft recht groß und schwer ist, in Italien den Calabreser, der noch ein wenig an den barocken Neapolitaner erinnert, in Dänemark das Dänische Warmblut, das alle Merkmale eines modernen Sportpferdes zeigt,und in Großbritannien das Britische Warmblut, für das erst seit Ende der 70er-jahre des letzten jahrhunderts ein eigener britischer Zuchtverband eingerichtet wurde. Zu den Warmblutpferden gehören ebenso Pferde wie Achal-Tekkiner oder Kinsky-Pferde, die aus Asien und Osteuropa kommen und einen größeren Anteil von Vollblutvorfahren haben.Achal-Tekkiner sind übrigens viel schlanker als beispielsweise deutsche Warmblutpferde, weshalb sie auch als die „Windhunde unter den Pferden“ bezeichnet werden. Kinsky-Pferde sind tschechische Warmblutpferde, die ursprünglich besonders gern bei der Jagd eingesetzt wurden. Kinskys sind überwiegend Falbenoder Isar bellen und haben einen ganz einzigartigen Schimmer im Fell.

Warmblüter sind in cler Regel sehr gelehrige und umgängliche Reitpferde. Für Einsteiger ist ein Warmblüter mit hohem Vollblutanteil und großem Potenzial für den Turniersport meist zu schwierig zu reiten.Aber die meisten Warmblutpferde sind tolle Freizeitpartner - nicht ohne Grund findet man sie in den meisten heimischen Reitställen in der Überzahl.

Zu den Vollblütern zählen die weltweit bekannten Araber. Araber gelten als die älteste Zuchtrasse der Welt. Sie sind außergewöhnlich schön und edel, aber auch ganz außerordentlich leistungswillig und menschenbezogen. Den Araber erkennt man an seinem kleinen Kopf mit seiner breiten Stirn und seiner gebogenen Nasenlinie, die man auch Hechtkopf nennt. Zu den Arabern gehören nicht nur die Vollblutaraber, sondern auch die Shagya-Araber, die Anglo-Araber und die Partbred-Arabeit Englische Vollblüter und Traber sind ebenfalls Vollblüter. EnglischeVollblüter werden für die schnellen Galopprennen gezüchtet, man sieht sie auf den großen Rennbahnen derWelt. Englische Vollblüter werden häufig in der Zucht von Warmblütern eingesetzt.

Traber sind eigentlich keine Vollblüter sondern Warmblüter, aber sie werden meist mit den Ersteren zusammen genannt, da sie ebenfalls zu den Rennpferden gehören.Traber werden tatsächlich fast nur für die Trabrennen mit dem Sulky gezüchtet. Vollblüter haben übrigens kein volles Blut, sondern eher „volles“ oder auch „heißblütiges“ Temperament: Sie sind im Allgemeinen etwas schneller aufgeregt als beispielsweise ein Warmblüter oder vor allem ein Kaltblutpferd. Liebhaber dieser Rassen schätzen gerade die schnelle Reaktion derVollblüter, denn diese macht sie so aufmerksam und lernwillig. Für unerfahrene Reiterhände ist so ein Vollblüter allerdings nichts. Ein Vollblüter reagiert für einen Anfänger in manchen Fällen einfach zu schnell - notfalls auch mal mit einem erschrockenen Hüpfer an einer Stelle, bei der ein Haflinger nur geschaut hätte - und empfindlicheVollblüter tolerieren ebenso wenig die typischen Einsteigerfehler, die man als Reitanfanger macht.

Quarter Horses,Appaloosas und Paint Horses sind typische Westernpferde. Sie sind mit einer durchschnittlichen Größe zwischen l48 und l55 Zentimeter deutlich kleiner als Warmblutpferde. Quarter Horses sind übrigens die häufigste Pferderasse der Welt, von ihnen gibt es knapp drei Millionen registrierte Pferde.

ln Deutschland leben derzeit rund l2000 eingetragene Quarter Horses. Ihr Name leitet sich vom Pferderennen in der Länge einer „Quarter mile“ ab, also einer Distanz von etwa 400 Metern, über die man in ihrer Heimat den USA früher Rennen abgehalten hat. Westernpferde zeichnen sich im Allgemeinen durch ihre Bereitschaft zur Kooperation und ihr meist unkompliziertes Wesen aus, weshalb sie bei Freizeitreitern sehr beliebt sind. Ihre flachen Bewegungen lassen auch einen Reitanfänger schnell bequemer sitzen, wobei natürlich der Westernsattel zusätzlich das Gefühl von Sicherheit erhöht, da er viel mehr Halt gibt als etwa ein Springsattel.

Barockpferde sind beispielsweise Andalusier und Lusitanos, die sich besonders gut für die klassische Dressur eignen. Aber auch Friesen, die „schwarzen Perlen“, gehören zu den Barockpferden. Friesen erkennt man ganz leicht an dem dichten Behang an den Fesseln und an der hohen Aufrichtung des Halses, mit dem sie besonders stolz und edel aussehen. Ebenso gehören die Lipizzaner zu den Barockpferden. Die Schimmel treten an der Spanischen Hofreitschule in Wien mit ihrer klassischen Dressur auf und sind dafür weltberühmt. Barockpferde sehen unter dem Reiter oft sehr spektakulär aus, sodass schnell der Eindruck entsteht, sie wären einfach zu reiten. Das ist allerdings nicht der Fall,sie müssen mindestens ebenso sorgfältig ausgebildet werden wie jedes andere Pferd - und wenn man sie wirklich gut reiten will, dann gehört schon eine ganze Menge Reiterwissen und Können dazu.>

Kaltblutpferde sind die schweren Arbeitspferde, die den Bauern früher bei ihrer Feldarbeit halfen und auch heute noch bei der Forstarbeit sehr geschickt sind. Das Ziehen schwerer Wagen und Lasten liegt den Kaltblütern sozusagen im Blut - wobei ihr Blut keineswegs kälter ist als das anderer Pferde. Lediglich ihr Temperament ist etwas „kühler“ und nicht so hitzig wie beispielsweise das der Vollblüter. Zu den bekanntesten Kaltblutpferden gehören sicherlich die Belgier, die Bretonen und die Percheron. Die größten Pferde überhaupt sind übrígens die Shire Horses. Diese aus England stammende Pferderasse kann bis zu |,95 Meter groß werden. Kaltblüter können bis zu l000 Kilogramm schwer sein. Leider sind diese Kraftprotze unter den Pferden mittlerweile eher selten geworden, und manche Rassen sind sogar vom Aussterben bedroht.

Manche Kaltblüter werden auch als Freizeitpferde geritten, sie sind wegen ihrer ruhigen und besonnenen Art beliebt. Aber ihre Spezialität ist sicher das Ziehen schwerer Lasten,wo sie ihre Ruhe und ihre Kraft gezielt einsetzen können. Als Ponys gelten nach offiziellem Maß alle Pferde, die kleiner als l48 Zentimeter sind. Das sind zum Beispiel Haflinger, Connemaras, lslandpferde, Dartmoor Ponys, Welsh Ponys und Fjordpferde. Gerade Ponys sind oft ausgezeichnete Reitpferde für Kinder und jugendliche. Es sei aber ausdrücklich davor gewarnt, Ponys nur als kleine, niedliche Kinderspielzeuge anzusehen. Sie sind nämlich durchaus vollwertige Pferde mit einem gesunden Selbstbewusstsein. So benötigen sie eine richtige Grundausbildung, eine artgerechte Haltung und ebenso wie jedes Großpferd viel Beschäftigung und Bewegung.

Gerade unter den Ponyrassen gibt es große Unterschiede: Norweger und Haflinger sind eher ruhig und besonnen und können auch für Reitanfanger geeignet sein. Deutsche Reitponys beispielsweise sind dagegen oft sehr temperamentvoll und nur für erfahrenere Ponyreiter zu empfehlen.